Jung und gesund durch Intervallfasten

In den letzten Jahren ist ein neuer Trend am Ernährungssektor aufgekommen: Intervallfasten. Was es kann, für wen es geeignet ist und wie Sie dadurch nicht nur rundum gesund, sondern sogar länger jung bleiben, erzählt uns Dr. Harald Stossier, Medizinischer Leiter des VIVAMAYR Health Resorts Maria Wörth in Kärnten.

Fasten: Seit jeher ein wichtiger Begleiter menschlicher Kultur

Ganz gleich in welche kulturelle Richtung wir auch blicken, Fasten ist ein fester Bestandteil aller Weltreligionen. Ob im Islam der Ramadan, im Buddhismus das tägliche Fasten nach zwölf Uhr mittags oder im Christentum die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern. Ebenso ist der jüdische Kalender geprägt von zahlreichen Fastentagen (Jom Kippur und viele mehr) und auch im Hinduismus spielt Fasten eine wichtige Rolle. Gezielte Essenspausen sollen es den Praktizierenden erleichtern, sich auf ihren Glauben zu konzentrieren und für höhere Schwingungen empfänglicher zu sein. Das ist auch der Grund, warum beispielsweise buddhistische Mönche und Nonnen generell weniger essen, denn es erleichtert ihnen die Meditation und den Weg zu innerem Frieden und Erleuchtung.

Heutzutage scheint man dem Fasten auf den Geschmack gekommen zu sein. Immer mehr Lebensbereiche werden in Intervalle eingeteilt beziehungsweise in solchen vollzogen. Das erlaubt mehr Effizienz und bringt uns der besten Version von uns selbst nachweislich ein Stück näher. Mittlerweile ist wissenschaftlich belegt, dass Intervalltraining im Sport Vorteile bringt sowie gezielte Essenspausen, wie sie beispielsweise beim Intervallfasten praktiziert werden, sich positiv auf den Körper auswirken.

Durch die Zeiten des Nahrungsverzichts kommt im Körper die sogenannte Autophagie in Gange, für deren Entdeckung der japanische Zellbiologe Yoshinori Ohsumi im Jahr 2016 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde. „Autophagie ist ein grundsätzlicher Prozess, ein genetisches Programm in uns, das immer stattfindet und deren stärkster Stimulus das Fasten ist. Der Körper räumt sozusagen innerlich auf und reinigt sich selbst. Wertvolle Substanzen können dadurch noch im Körper behalten werden und für andere wichtige Stoffwechselvorgänge zur Verfügung stehen“, erklärt Dr. Harald Stossier, Allgemeinmediziner und Mayr-Arzt im VIVAMAYR Health Resort Maria Wörth in Kärnten. Wie kommt dieser Mechanismus genau zustande?

Autophagie: Körpereigenes Recycling durch bewussten Nahrungsverzicht

Autophagie läuft im Körper grundsätzlich immer ab – die Frage ist nur, wie effektiv. „Es gibt nicht die eine Autophagie, die sich anknipsen lässt wie ein Lichtschalter“, weist Dr. Stossier auf die Komplexität des Mechanismus hin. „Autophagie ist ein fließender Prozess, der durch Nahrungsverzicht hochgefahren wird. Je länger das Fasten dauert, umso effektiver findet Autophagie in den Geweben und Organen statt.“

Wie lange der Nahrungsverzicht optimalerweise dauern sollte und wie stark er vom Individuum selbst abhängt, dazu braucht es aber noch sehr viel mehr Forschung. Es gibt aber bereits verlässliche Empfehlungen – unter anderem durch Arbeiten von Nobelpreisträgern – die Zeitfenster von 16 Stunden vorschlagen, in denen nichts gegessen wird, und von 8 Stunden, in denen Nahrung aufgenommen werden darf. Die Autophagie kommt aber auch bereits bei kürzeren nahrungsfreien Intervallen in Gang. Noch wichtiger als das Intervall an sich ist aber, dass die Nahrungskarenz in Einklang mit den natürlichen Rhythmen gebracht wird, also abends wenig und nachts gar nichts  zu essen.

Die 16:8-Methode kommt am häufigsten zum Einsatz, da sie relativ einfach in den Alltag integriert werden kann. Sie erlaubt beispielsweise ein Frühstück um acht Uhr morgens, ein Mittagessen um zwölf Uhr und ein letztes Essen kurz vor 16 Uhr. Freilich wäre es auch prinzipiell möglich, den Prozess umzudrehen und am Abend die Hauptmahlzeit einzunehmen.

Davon rät Dr. Stossier jedoch ab: „Lassen Sie das lieber sein, denn damit tun Sie sich nichts Gutes! Der Körper folgt mit seinen Vorgängen dem natürlichen Rhythmus des Tages: Am Morgen geht nicht nur die Sonne auf, sondern auch unser Körper fährt hoch. Nach der Nachtruhe haben die Verdauungsorgane in der Früh am meisten Energie und arbeiten folglich am besten. Frühstücken Sie also wie ein Kaiser, essen Sie zu Mittag wie ein Bürger und speisen Sie am Abend wie ein Bettler. Damit unterstützen Sie nicht nur Ihr Verdauungssystem, sondern auch das körpereigene Recycling.“ Das wiederum kommt Ihrem Wohlbefinden und Ihrer gesamten Gesundheit zugute, denn Fasten kann zwar hervorragend begleitend zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden, trägt aber in erster Linie dazu bei, die Gesundheit zu erhalten.

So funktioniert die Autophagie in unserem Körper

Das Wort Autophagie setzt sich aus den griechischen Wörtern „autos“ für „selbst“ und „phagein“ für „fressen“ zusammen. Genau genommen bedeutet es also „sich selbst fressen“. Ganz so wild ist es auch wieder nicht, aber die Bezeichnung verdeutlicht sehr gut, worum es bei diesem Prozess eigentlich geht. Die Verwertung schadhafter Zellen zugunsten von wichtigen Stoffwechselprozessen sowie Selbstreinigung und Regeneration.

Wie überall, wo gearbeitet wird, können auch in der Zelle Fehler passieren. Beispielsweise können sich Aminosäuren falsch zusammensetzen oder Mitochondrien, die Kraftwerke unserer Zellen, fehlentwickeln und gesundheitsschädigende Substanzen erzeugen. Unser Lebensstil ist dabei entscheidend, wie oft oder eklatant solche Fehler passieren. Einerseits besitzt unser Körper eine recht hohe Toleranzgrenze und kann vieles kompensieren. Andererseits ist er auch mit einem hervorragenden Reparaturmechanismus ausgestattet. So kann er schadhafte Zellen zum Beispiel mithilfe von bestimmten Nährstoffen wiederherstellen.

Manchmal ist der Körper jedoch nicht (mehr) in der Lage, defekte Zellbestandteile zu reparieren und die Zelle muss entsorgt werden. Die Zelle erkennt das und lässt um die Fehlentwicklung ein Bläschen wachsen, das sogenannte Autophagosom. Sie können sich das wie einen Müllsack vorstellen, mit dem die Zelle in die  zelleigene „Recyclinganlage“, das Lysosom, transportiert wird. Dort wird die schadhafte Zelle in ihre Einzelbestandteile zerlegt und wiederverwertet. Bestandteile, die der Energiegewinnung dienen, können für eben diese herangezogen werden. Darüber hinaus regeneriert sich die Zelle von Grund auf, was vorzeitiger Alterung effektiv entgegenwirkt. „Autophagie ist also unser körpereigener Jungbrunnen. Ein Mechanismus, den wir jederzeit bewusst beeinflussen und für uns nutzen können“, fasst Dr. Stossier zusammen.

Intervallfasten ist im Trend – Autophagie passiert jedoch immer

„Menschen brauchen oft einen Aufhänger, um etwas auszuprobieren oder in ihren Alltag zu integrieren. So ist es jetzt das Intervallfasten. Es ist deshalb so populär geworden, weil es etwas Neues ist“, ist Dr. Stossier überzeugt. Darüber hinaus passt es sehr gut zu unserem Zeitgeist, der geprägt ist von Effizienz und Selbstoptimierung und ist grundsätzlich für jeden geeignet. Das Intervallfasten kam da gerade recht. Der Autophagie hingegen ist es vollkommen egal, aus welchem Grund Sie sich an Zeiten des Essensverzichts halten. Sie läuft immer dann in unserem Körper ab, wenn keine neuen Nährstoffe mehr nachkommen und die kurz- und mittelfristigen Energiespeicher, wie beispielsweise das Glykogen in den Muskeln und in der Leber, aufgebraucht sind. Dann fährt unser Körper die Autophagie hoch und bricht sie erst dann wieder ab, wenn wir wieder Nahrung zu uns nehmen. Selbst ein Schluck Orangensaft reicht dann aus, um das Recyclingprogramm zu unterbrechen. Der Körper wendet sich stets der Verwertung der frischen Nahrung zu.

Fasten als medizinische Therapie

Fasten hat viele gesundheitsfördernde Auswirkungen: Es reguliert den Insulinspiegel, schützt das Herz-Kreislauf-System, hemmt Entzündungsprozesse, schützt Muskeln und Nervensystem und verbessert den Fettstoffwechsel. Es fördert die Regeneration des gesamten Körpers, was typische Zivilisationskrankheiten, wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, lindern oder sogar gänzlich beseitigen, beziehungsweise ihnen vorbeugen kann. Das ist der Grund, warum Fasten heutzutage auch als medizinische Therapie eingesetzt wird. Das VIVAMAYR Health Concept, das von Dr. Harald Stossier begründet wurde, verfolgt genau diesen Ansatz.

„Anhand individueller Diagnostik und Therapie setzen wir Fasten als begleitende, gesundheitsfördernde Maßnahme in allen unseren Programmen ein, um die Gesundheit des gesamten Individuums von Grund auf zu fördern. Nicht nur das Verdauungssystem wird im Zuge dessen harmonisiert, sondern auch das Immunsystem gestärkt“, erzählt Dr. Stossier.

Die VIVAMAYR Philosophie geht auf den Begründer der Modernen Mayr-Medizin, Dr. Franz Xaver Mayr (1875 bis 1965), zurück. Er erforschte Zeit seines Lebens die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Verdauung und Gesundheit. Mayr erkannte, dass Fasten nicht nur die Form und Lage und damit auch die Funktion des Verdauungssystems verbesserte, sondern den Menschen in seiner Gesamtheit gesünder machte. Diese Erkenntnisse spiegeln sich in allen VIVAMAYR Programmen wider, ganz gleich ob Classic, Active Detox, Post Covid, Weight Care, Immun Boost oder Stress Control.

Intervallfasten – oder: Auf die Sonne schauen und danach leben

Intervallfasten scheint ein neues Modewort für das zu sein, was dem Menschen in seinem Naturell zugrunde liegt: Im Einklang mit der Natur zu leben als Basis vollkommener Gesundheit. „Fasten – achtsam durchgeführt und auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten – kann keine Nachteile haben. Vielmehr ist es die Besinnung zum Ursprung, nämlich zum eigentlichen Rhythmus des Lebens“, erinnert Dr. Stossier. Früher war unser Leben von Zeiten geprägt, in denen mehr, aber auch weniger Nahrung vorhanden war. Erst durch die Industrialisierung im 20. Jahrhundert wurde Nahrung stets verfügbar, was die gesundheitlichen Beschwerden drastisch ansteigen ließ. „Besinnen Sie sich wieder auf den Rhythmus der Natur! Sie werden merken, wie gut es Ihnen tut und wie die einen oder anderen Beschwerden sich plötzlich wie von selbst in Luft auflösen. Je besser Ihre Lebensweise dem natürlichen Rhythmus angeglichen ist, desto gesünder werden Sie sein“, resümiert der Gesundheitsexperte.

Bringen Sie Ihr körpereigenes Recycling in Schuss

In unseren VIVAMAYR Health Resorts führen wir alle Programme unter ärztlicher Aufsicht durch. Damit stellen wir sicher, dass die Behandlungen optimal auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind und ihre Wirkung voll entfalten können.

Sie waren noch nie zu Gast bei uns? Fragen Sie jetzt bei uns an! Wir freuen uns darauf, Sie auf Ihrem Weg zu einem gesünderen Leben begleiten zu dürfen.

Quellen

Straubinger P. A., Fensl Margit, Karré Nathalie, 2019: Der Jungbrunnen-Effekt: Wie 16 Stunden FASTEN Ihr Leben verändert, Kneipp Verlag, Wien

Stossier Harald, Prof. Dr. med., Stossier Georg, Dr. med., 2018: Moderne Mayr-Medizin & Das VIVAMAYR-Prinzip / Du bist, was du verdaust, 1. Auflage, Verlagshaus der Ärzte GmbH, Wien

Basting Horst, o. D., Religiöses Fasten

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